Berichte und Artikel

FCI-Bahn-Europameisterschaften in Gelsenkirchen, 5./6.9.2009

Ein ganz persönlicher Erlebnisbericht

Bahn-EM 09

Camrosh und ich trafen am Samstagnachmittag zusammen mit der Junghündin Fariba, die uns als Schlachtenbummlerin begleitete, auf dem Gelände des Rennvereins Westphalen-Ruhr in Gelsenkirchen ein. Wie gewohnt hatte dieser Verein alles bestens organisiert und vorbereitet: gut markierte Stellplätze, die trotz des starken Regens des Vortages nicht sumpfig waren, eine gut eingespielte Küchencrew mit genügend Kapazität und eine hervorragend präparierte Sandbahn. Bei der Tierarztkontrolle ging es zügig vorwärts, so dass ich noch Gelegenheit hatte, die Finalläufe des Samstags zu sehen. Auch in den Finals, wie schon vorher in den Vorläufen, gab es einige Rempeleien, ein Magyar Agar zog sich eine Fraktur zu und ein italienisches Windspiel entwischte von der Bahn, rannte auf die Strasse und konnte erst am darauffolgenden Dienstag, aber wenigstens unverletzt, eingefangen werden. Weshalb es das Weite suchte weiss man natürlich nicht, es wäre aber meiner Meinung nach zu überdenken, ob so wichtige Titelrennen wirklich bei oder kurz nach Vollmond gezogen werden müssen.
Erst vor dem Schlafengehen informierte ich mich im Programm über die bevorstehenden Salukiläufe: 17 Hündinnen und 16 Rüden waren gemeldet, es liefen schliesslich 13 Hündinnen und 14 Rüden. Camrosh lief gleich im 1. Vorlauf in einem sehr starken Feld zusammen mit Schahin von Iransamin, dem seit 2 Jahren absolut dominierenden Rüden auf der Rennbahn. Da Camrosh sein letztes Rennen genau vor einem Jahr an der Bahn-EM 08 in Versoix gelaufen war, würde ich dann gleich wissen, ob er momentan überhaupt schnell ist.
Schahin lief im 1. Vorlauf neuen Bahnrekord mit 32.890, Camrosh startete gut (das ist sonst sein Schwachpunkt) und liess sich nicht abhängen. Er wurde unter blau zweiter mit 33.040. Er war also schnell! Nach einem erholsamen Mittagsschlaf durfte Camrosh im Halbfinal aus Boxe 2 starten und lief einen Start-Ziel-Sieg, was den Einzug in den Final bedeutete. Die Resultate wurden übrigens laufend auf der DWZRV-Seite aktualisiert – das wird bestimmt Schule machen, so dass wohl ab jetzt kein Organisator an einem solchen Service vorbeikommen wird. So informierte die zuhause gebliebene Claudia Naef Kurt telefonisch, Camrosh sei im Halbfinal neue Bestzeit und damit Bahnrekord (32.870) gelaufen. Davon wusste ich zum Glück nichts und konnte so Camrosh ziemlich unbeschwert zum Finallauf bringen.
Calila war es nicht ganz nach Wunsch gelaufen, Ihre Starts waren langsamer als gewohnt. So kam sie nur mit der drittbesten Zeit ins Finale. Vom Sattelplatz aus konnten wir aber knapp erspähen, dass sie ganz vorne mit dabei war.

Zielfoto EM 09 Camrosh

Für Camrosh unter blau wurde Boxe 5 ausgelost, für Shahin Boxe 1. Während des ganzen Laufes versuchte er vergeblich, auf die Innenbahn zu kommen, wobei er in den Kurven deutlich zurückgeworfen wurde. Rudi Böhm beschreibt den Einlauf so: “Der Finallauf war wirklich sehenswert. 4 Saluki-Rüden waren ausgangs der letzten Kurve noch recht dicht beisammen, Camrosh lag zu diesem Zeitpunkt noch auf Pos. 4. Dann plötzlich startete er mit fulminantem Endspurt durch und ging auf die erste Position. Super!“ Als Camrosh aus der 2. Kurve kam, hatte ich nur eine leise Hoffnung, er könnte es auf den 3. Platz schaffen. Dann war es, also ob er den Turbo einlegte: unglaublich, wie er auf der Zielgeraden noch beschleunigen konnte. Ich glaube, noch nie in meinem Leben hatte ich vor Freude so weiche Knie. Aber noch war ich alles andere als sicher, dass er gewonnen hatte.
Unmittelbar danach fand die Siegerehrung der Hündinnen statt. Die tschechische Hündin Medea z Farsistanu hatte mit fünf tausendstel Sekunden Vorsprung auf Calila gesiegt! Calila wurde nicht einfach geschlagen, sondern verlor so hauchdünn, dass es weder fass- noch begreifbar ist.
Nach dem nächsten Lauf folgte die Siegerehrung der Rüden. Gerhard Cabel, der hilfsbereit wie schon letztes Jahr Camrosh beim Hasenabwurf mit grosser Routine in Empfang und schnell von der Bahn nahm, hatte schon Gratulationen erhalten und auch Jolanda Blom, die Besitzerin von Schahin, hatte mir gratuliert. Aber erst, als ich realisierte, dass tatsächliche die Schweizer Fahne bereit gemacht wurde, begriff ich, dass Camrosh tatsächlich gewonnen hatte.
Eine letzte, schwierige Aufgabe gab es auf dem Podest zu lösen: Der zweitplatzierte Schahin, nach dem Rennen noch sehr aufgeregt, versuchte seine Podestnachbarn auf dem ersten und dritten Platz zu einem Streit herauszufordern. Höchste Aufmerksamkeit war geboten! Auf den 6. Rang lief übrigens Ceshan Y-Shirvan, ein 6½-jähriger Halbbruder von Camrosh, eine ganz tolle Leistung! Fast alle Besitzer der Finalteilnehmer gratulierten mir zu Camroshs Sieg, was mich extrem freute. Und der Jubel der Schweizer-Equipe mit Fahnenschwingen und Glocken- und Treichelgeläut war einfach phantastisch. (Sämtliche Läufe der Saluki-Hündinnen, sämtliche Läufe der Saluki-Rüden)
Das vergleichsweise kleine Schweizerteam zeigt eine ganz beachtliche Bilanz: Insgesamt erreichten 12 Schweizer Hunde den Final – fünf davon holten sich den Europameistertitel! Herzliche Gratulation! (Hier Finden Sie die Liste der IGWR mit den Schweizer Finalisten.)

Finallauf Salukirüden, Fotos: Frans Kuiper, NL

Final Salukirüden Final Salukirüden
Final Salukirüden Final Salukirüden
Siegerehrung Salukirüden
10.09.2009, 20:30 Uhr,

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