Berichte und Artikel

Coursing-Europameisterschaft auf der Halbinsel Pouch (D), 22./23.6.2013

Die Coursing-EM 2013 in Pouch (D) hätte eigentlich perfekt werden müssen. Nachdem es zu den EMs in Frankreich, den Niederlanden und in noch stärkerem Mass während und nach derjenigen in Ungarn aus Deutschland harsche Kritik fast ohne Ende und zu jedem Detail gehagelt hatte, waren die Erwartungen an Ausrichter Deutschland sehr hoch– nicht nur im Ausland sondern auch in Deutschland selber. Etliche unserer deutschen Bekannten hatten allerdings von Beginn weg ein ungutes Gefühl dabei. Ein Glück, dass sie nicht perfekt wurde! Denn so ist zu hoffen, dass Kommentare zu Veranstaltungen in Zukunft wieder etwas zurückhaltender und im Bewusstsein darüber verfasst werden, dass wir uns im Amateur-Sport bewegen und dass die Organisation solcher Anlässe immer einen grossen Aufwand bedeutet und sich alle Veranstalter stets grösste Mühe geben. Dies galt auch für die Veranstalter in Pouch, welchen trotz dieser kritischen Bemerkungen für die Durchführung der EM 2013 herzlich gedankt sei!

Halbinsel Pouch
Uberfliegungsbilder der Promotion-CD EBV-Goitzsche
Halbinsel Pouch

Wie bei jeder Veranstaltung gibt es Positives und Negatives zu berichten. Beginnen wir für einmal nicht mit den Plus- sondern den Minuspunkten dieser Manifestation: Der eine Parcours musste von Teilnehmern am Freitag von Glassplittern (an Pfingsten war hier ein Musikfestival über die Bühne gegangen) befreit werden. Die Ansagen erfolgten spät, spärlich und waren weder bei den Parcours noch bei den Camps zu hören. Es gab keinen Lageplan und auch keine Wegweiser zu den Parcours. Abfalleimer waren selten und bereits am Donnerstag überfüllt, Kotbeutel wurden nicht zur Verfügung gestellt als Anreiz, den Kot aufzunehmen. Im Programm waren häufig besonders bei nordischen Hunden eine solch grosse Anzahl Titel aufgeführt, dass für den Namen kaum Platz blieb. Auch wäre es wünschenswert gewesen, wenn Zuschauer und Besitzer jeweils den grössten Teil des Laufes hätten mitverfolgen können. Dazu kamen dann noch technische Pannen, wie sie halt vorkommen, selbst in Deutschland. Zum Beispiel konnte eine Hasenmaschine nicht mehr zum Laufen überredet werden. Bei aller Anerkennung der Genialität der Parcours-Bauer, bleibt die einfache Erkenntnis, dass die – wohl in diesem Gelände einzig mögliche - Positionierung der Hasenmaschine auf dem Hügel beim Austausch zu einer zwar spektakulären, aber zeitraubenden Übung ausartete, was eine entsprechende Verzögerung zur Folge hatte. Die Organisation war damit überfordert und die Läufe der Saluki-Hündinnen am Nachmittag hätten als Folge davon begonnen, bevor die Rüdenläufe zu Ende waren. Der Start wurde zwar dann um eine Stunde verschoben, leider ohne entsprechende Ankündigung, so dass natürlich viele bereits zum Parcours geeilt waren.

Es gibt aber auch viel Positives zu berichten. Die Siegerehrungen gingen bei Tageslicht und Sonnenschein über die Bühne. Die Arena für die Eröffnungszeremonie und die Siegerehrungen bot einen würdigen und passenden Rahmen. In den Hundepass wurde ein Streifen eingeklebt mit allen erforderlichen Daten. Und natürlich war das Gelände  schön gelegen in Seenähe und gross genug, dass die Wohnmobile nicht dicht zusammengepfercht stehen mussten. Das Wetter war abgesehen vom Sturm am Donnerstagabend sehr schön, die Temperaturen nach diesem Sturm zum Glück nur noch um 25° und nicht wie die Tage vorher bis 35°.

Entsprechend schliessen wir uns dem Kommentar von Uschi Lehr (aus Deutschland) an: “Diese EM war in Ordnung.“ Die Coursing-EM ist unterdessen zu einem Riesenevent geworden mit neuer Rekordmeldezahl, und entsprechend aufwändig war und ist wohl auch in Zukunft die Organisation. Dass verschiedene Vereine jeweils für einen Parcours verantwortlich waren von der Parcoursführung bis zu sämtlichen involvierten Personen (ausser den Richtern) scheint sich gut bewährt zu haben. Der 4. Parcours am Sonntag wurde von einem tschechischen Team betreut. Das Modell „ein Verein pro Parcours“ ist bestimmt ein Ansatz, der es erlaubt, Erfahrung in Parcours-Bau und –Betrieb in einem internationalen Rahmen zu nutzen und gerade auch für solche Grossveranstaltungen anzuwenden. So oder so wird aber die Herausforderung für die Veranstalter von Jahr zu Jahr grösser, und alle, die eine solche Aufgabe in Angriff nehmen, verdienen Bewunderung. Es ist zu hoffen, dass es gelingt für 2014 in Italien ein geeignetes Gelände zu finden.

Wir hatten dieses Jahr ein grosses Team dabei: Deerhound Garia und 7 Salukis. Camrosh durfte nochmals mit, es wurde seine 7. Coursing-EM. Erst in letzter Minute entschieden wir uns dazu, nicht Fariba, die nicht so gut drauf schien, sondern Jada, die leider nach der Läufigkeit nicht in Topform war, laufen zu lassen. Die Hitze, die seit einigen Tagen brütete, machte allen zu schaffen, auch auf der Reise. 6 von 8 Hunden bekamen Durchfall, der bei einigen auch am Renntag zurückkam. Eine hartnäckige Grippe, deren Auswirkungen einen guten Monat dauern sollten, hatte Renée 3 Wochen vorher gepackt und entsprechend wirkte sie nicht besonders anfeuernd und aufbauend. Also waren diesmal die Bedingungen nicht wirklich optimal.

54 Saluki-Rüden und ebenso viele Hündinnen gingen an den Start. Parcours 3, auf welchem die Salukis am Morgen liefen, war in weiten Teilen eine Rennstrecke, hatte aber seien Tücken. Nicht zu viel nachdenken und stur dem Hasen folgen, war hier bei Weitem die beste Taktik. Sonst war das Risiko gross, ganz falsch zu laufen oder sogar den Hasen zu verlieren. Camrosh und Fayyad kamen nicht richtig auf Touren, Faiza merkte ganz offensichtlich erst nach ihrem Lauf, dass dies ein Coursing wäre und wäre jetzt gern und voller Energie gelaufen, Zarrin hatte offenbar einen Vorfall im für Zuschauer (und auch für uns) uneinsehbaren Teil und verlor dabei viele Punkte. Einzig Nour und Jada kamen gut durch. Parcours 1 am Nachmittag war anspruchsvoll und wirklich salukigerecht mit vielen Turns, also für Denker durchaus geeignet. Mit einer Senke, die von ungeschnittenem Gras umgeben war, so dass die Hunde leicht den Hasen aus den Augen verloren, war auch dieser Parcours tückisch. Es ist nicht erstaunlich, dass Faiza, nun absolut wach, diesen Lauf von unseren Hunden am besten meisterte.

Jada, Nour 2013

Mit Rang 39 für Camrosh, 46 für Fayyad blieben die beiden unter unseren Erwartungen. Auch Falih auf Rang 10, Fou’ad (19.) und Fahim (31.) wurden unter ihrem Wert geschlagen. Zarrin landete auf Rang 49, hingegen waren Nour (10.), Jada (12.) und Faiza (20.) gut platziert. Wir freuen uns sehr, dass Vorjahressieger Ilam Shah el Riad (Sohn von Camrosh) dritter wurde und Jada’s Mutter Tâdj Mahâl Emuna Inaya (sie wird 8 Jahre alt!) den zweiten Platz erlief. Sie wurde einzig von Shera Chuats Esadi geschlagen, die den Titel erfolgreich verteidigte. Allen herzliche Gratulation!

Aus Schweizer Sicht gab es auch bei den anderen Salukis keinen Exploit, bei den Rüden wurde 0‘0‘Seven 43. und bei den Hündinnen Pluma gute 15. und Haniya 39.

Besser lief es bei den Deerhound-Rüden, wo Esther Bühlers Havoc den Titel gewann und Meshach sechster wurde, bei den Sloughi-Rüden, wo Susan und Ian Mothersills Sayyad den Titel holte. Überhaupt schnitten die Schweizer Sloughis sehr gut ab, insgesamt erreichten je 3 Hündinnen und 3 Rüden einen Podestplatz. Auch rund lief es bei den Windspiel-Rüden, wo dank Ursula Martis unverwüstlichem Ercolino am Sonntag noch ein „Trittst im Morgenrot“ zu hören war. Herzliche Gratulation zu diesen Resultaten!

 Dank dem tollen Wetter gab es viele Gelegenheiten, mit Bekannten und Freunden zusammenzusitzen und sich auszutauschen. Auch dies ist ein wichtiger Teil einer EM, wo sonst kommen so viele Windhundfreunde aus so weit auseinanderliegenden Ländern zusammen?

17.07.2013, 12:47 Uhr,

Sharaf al Bait - Im Hägni 50 - CH-3294 Büren an der Aare - Telefon +41 (0)32 351 36 83