Berichte und Artikel

Coursing-EM Dunakeszi (H), 8. bis 10.6.2012

Camrosh, Coursing-EM 2012

Weil es in Ungarn im Sommer sehr heiss werden kann, war die diesjährige Europameisterschaft sehr früh angesetzt worden. Wer sich im Vorfeld nur halbwegs ins Bild gesetzt hatte, musste auf drei Dinge vorbereitet sein:

-          Erstens war mit hohen Temperaturen zu rechnen. Es war also ratsam, seinen Hund entsprechend zu trainieren und auf etwas höhere Temperaturen einzustellen. Wer dies nicht tat, handelte nicht verantwortungsbewusst.

-          Zweitens ist bekannt, dass in der Gegend um Budapest Zecken bzw. eine Infektion durch Zecken ein besonderes Risiko darstellt. Wer keine Vorkehrungen traf, handelte verantwortungslos.

-          Drittens war dies die erste Coursing-EM in Ungarn. Mit gewissen Anlaufschwierigkeiten musste objektiverweise gerechnet werden. Wer eine Ruckzuck-Organisation erwartete, musste fast enttäuscht werden.

Bezüglich Temperaturen war ich bei der Ankunft nicht überrascht, dass mich die Schweizer Teamkolleginnen und- kollegen, die bereits da waren, ob meiner doch recht warmen Bekleidung auslachten, hatte ich doch am Morgen beim Aufbruch nach dem Nachtlager an der deutsch-österreichischen Grenze noch recht gefroren und mich entsprechend angezogen. Das rasche Umstellen auf Sommerbetrieb liess mich das Kopfschütteln über mein Navi, das mir zu einer einzigartigen Sightseeing-Tour mit dem Wohnmobil mitten durchs baustellenstrotzende Zentrum von Budapest verholfen hatte, fast vergessen. Das grosse Thema in Dunakeszi am Freitag war der Verzicht auf den zweiten Lauf, infolge zu hoher Temperaturen. Wie dieser zustande gekommen war, wurde nie transparent. Der Frust und das Unverständnis waren gross. Aus Schweizer Sicht waren Evelyn und Fritz Jordi trotz tollem dritten Platz ihrer Jolie und Jeanette Rüttimann mit dem fünften Platz von Galan nur mässig begeistert.

Für den nächsten Tag war zu befürchten, dass gleich vorgegangen würde. Ein Lichtblick war, dass der Beginn der Läufe um eine Stunde vorverschoben wurde. Dies war schon nur angesichts von rund vierzig Hündinnen und fünfunddreissig Rüden am Start gerechtfertigt. Ich hatte mit Fariba, Jada, Camrosh und Fayyad vier Hunde am Start. Zusammen mit Hilda Fueter bzw. ihrem Fahim bildeten wir das Schweizer-Saluki-Team. Mit dieser Ausgangslage war ich zufrieden, wenn ich immer rechtzeitig den richtigen Hund am Start hatte. Die anderen Läufe zu analysieren oder gar Bilder zu machen, lag nicht drin. Ich war froh, auf die Unterstützung von Caroline Allemann, die als Equipenchefin einmal mehr einen sehr guten Job machte, und der anderen Mitglieder des Schweizer Teams zählen zu dürfen. Der erste Lauf war eine ziemliche Rennbahn, zudem nicht sehr glücklich gesteckt, so dass von den ersten zehn Läufen wohl die Hälfte einen Unterbruch hatten, und unterwegs neu gestartet werden musste. Fariba hatte Pech und war davon betroffen. Mit ihrer Leistung war ich sehr zufrieden, konnte aber natürlich nicht abschätzen, was dies für die Punktzahl bedeutete. Jada zeigte – obschon noch überhaupt nicht  erfahren - eine sehr gute Leistung, die mich überzeugte. Die Hündinnen konnten ihre Läufe bei vernünftigen Temperaturen absolvieren. Die Rüden hatten’s etwas schwieriger. Camrosh erwischte gerade die heisseste Phase, zeigte aber mit seinen über sieben Jahren vollen Einsatz und einen schönen Lauf. Beim Lauf von Fayyad begann es ein bisschen zu regnen, was aber den Ablauf nicht störte. Auch Fayyads Leistung überzeugte mich. Die Ernte aus dem ersten Lauf war denn auch durchaus interessant: Camrosh stand mit 4 Punkten Rückstand auf dem 8. Platz, Fayyad mit 6 Punkten auf dem 12. Rang. Jada war mit 1 Punkt Rückstand auf dem 5. Rang, Fariba war 11. mit 4 Punkten Differenz. Die Abstände waren allerdings so gering, dass die Ausgangslage völlig offen blieb. Fahim hatte mit 12 Punkten Rückstand eine ungünstige Ausgangslage.

Wer geglaubt hatte, der Regen würde Abkühlung bringen und das nachmittägliche Programm sei gerettet, hatte sich getäuscht. Die Veranstalter überlegten sich die Sache lange und gut und setzten schliesslich nach mehrmaligem Verschieben den Start auf 16.45h. Der zweite Lauf war nicht nur abwechslungsreicher und besser gesteckt, auch die Organisation klappte vorbildlich. Fariba hatte erneut Pech. Ihr Lauf wurde wieder unterbrochen, und wir mussten nachstarten. Jada, und Camrosh liefen aus meiner Sicht ausgezeichnet, und auch Fayyad zeigte sich von der besten Seite. Die Spannung blieb denn auch erhalten. Wenn man nicht alle Läufe sieht, ist es sehr schwierig, eine Einschätzung zu machen.

 

An der in Dunkelheit abgehaltenen und völlig verregneten Siegerehrung kam heraus, dass Camrosh sich auf den dritten Platz vorgearbeitet hatte. Sein Sohn, Ilam Shah el Riad war nicht mehr einzuholen und wurde Europameister vor dem punktegleichen Abdelhaziz (Vater unserer jungen Hündinnen Nour und Zarrin). Mit über sieben Jahren einen dritten Platz an der EM zu erreichen, ist eine Leistung, auf die Camrosh stolz sein kann. Auf dem Podest stand ebenfalls Borat, der Bruder von Nour und Zarrin, also neben Camrosh und Ilam Shah eine weitere Vater-Sohn Besetzung auf dem Podest. Fayyad war mit einer mässigen Punktzahl, die ich mir auch nicht erklären kann, auf den 19. Platz abgerutscht. Bei den Hündinnen schaffte es Jada auf den 6. Platz, nachdem sie im zweiten Lauf offenbar deutlich hinter mehreren Konkurrentinnen zurückgeblieben war. Fariba fiel noch einen Rang zurück und wurde 12.

Zweimal erklang aus dem Regen die Schweizer Nationalhymne. Einmal für Erika und Patrick Meiers Zaydan und einmal Für Trudi Zürchers Waseemah. Leider stellte sich später heraus, dass die Ranglisten nur teilweise stimmten, und Waseemah zwar auf dem ausgezeichneten 3. Rang stand, aber ein dritter Platz macht weniger Freude, wenn man die Decke schon in der Hand hat und wieder abgeben muss. Objektiv gesehen war die Schweizer Bilanz an diesem Tag ausgezeichnet: Mit einem Europasieger, dem dritten Platz von Hilda Fueters Widad und dem vierten Platz von Allemanns Bacavi bei den Rüden, einem dritten Platz bei den Hündinnen und den zwei Platzierungen bei den Salukis hätten wir Grund zum Feiern gehabt, echte Festlaune wollte am Abend nicht mehr aufkommen. Zudem ergoss sich später ein noch stärkerer Regen und ein happiges Gewitter ging nieder, welches die Teilnehmer in die Zelte, Wohnmobile und Hotels trieb. Dennoch gratuliere ich allen Teamkolleginnen und Kollegen ganz herzlich zu diesen Erfolgen.

Am kommenden Tag musste ich bereits abreisen, so dass ich den Europameister Ercolino von Ursula Marti nicht mitfeiern konnte. Auf diesem Weg herzliche Gratulation!

Alles in allem haben sich die Organisatoren grosse Mühe gegeben. Solche Anlässe sind jedoch immer Gegenstand breitester, tiefster und intensivster Debatten. Bereits kurz nach der Veranstaltung waren die Foren denn auch voll, und bereits an der Veranstaltung gingen die Emotionen hoch.

Ich bin in der Beurteilung etwas gespalten: Auf der einen Seite ist für mich auch nicht verständlich, weshalb die Rollen nicht oder kaum markiert waren. Das Risiko war für die Hunde nicht unerheblich. Ich konnte auch nicht begreifen, weshalb all die Ziesel-Löcher, die für die Hunde auch gefährlich sind, erst dann gefüllt wurden, als eigentlich der Start des ersten Laufes angesagt war. Dass falsche Europameister ausgerufen wurden, finde ich auch kaum verzeihlich (auch wenn dies bei andern EM auch schon vorkam!) Ich hätte erwartet, dass sich der Veranstalter mindestens persönlich bei den Betroffenen entschuldigt und die bereits abgegebenen Siegerdecken selbst zurückholt, und nicht die Equipenchefs vorschickt.

Auf der anderen Seite muss man sich bewusst sein, dass der Druck auf die Veranstalter von all den Experten, die alles und jedes besser wussten, riesengross war. Ich habe Verständnis, dass ein Veranstalter nervös wird, wenn die Rollen ohne Rücksprache mit den Parcours-Verantwortlichen eigenmächtig markiert werden. Ich stelle mir vor, dass es nicht einfach ist, objektiv zu entscheiden, ob ein zweiter Lauf gezogen wird, wenn ganze Teams drohen, ihre Hunde zurückzuziehen. Ich kann mir auch vorstellen, dass ein unerfahrener Veranstalter in der Not Qualitätskontrollen auslässt, um doch noch rechtzeitig eine Siegerehrung durchzuführen.

Alles in allem war es eine interessante Veranstaltung, und ich bin froh, nach Ungarn gefahren zu sein, nicht nur, weil ich viele Freunde und Bekannte und interessante Hunde gesehen habe. Mit mehr als sieben Jahren hatte Camrosh Gelegenheit zu zeigen, dass er noch immer ein Top-Courser ist, und Jada konnte erste Erfahrungen an einer Grossveranstaltung sammeln. Allein vier Hunde einzusetzen ist eine rechte Herausforderung. Ohne Unterstützung aus dem Schweizer Team hätte ich dies kaum geschafft. Ich danke an dieser Stelle allen ganz herzlich, die mich unterstützt haben.

Uebrigens: Vorteil des harten kargen Grundes ist, dass auf dem Gelände praktisch keine Zecken auszumachen waren. Hier blieb die Prophylaxe zum Glück rein prophylaktisch.

Resultate Salukis

Foto Copyright Vivan

21.06.2012, 11:08 Uhr,

Sharaf al Bait - Im Hägni 50 - CH-3294 Büren an der Aare - Telefon +41 (0)32 351 36 83