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Coursing-Europameisterschaft 2014 in Malga Millegrobbe, Lavarone, Trentino, Italien, 27.-29.6.2014

Eurocoursing 2014
Noch vor einem Jahr war nicht sicher, ob 2014 eine Coursing-EM stattfinden könnte. Unter Federführung des ENCI wurde diese dann umgehend geplant. Ein passend scheinendes Gelände wurde in der Skiregion Lavarone auf einem Hochplateau in ca. 1100 m Höhe in der norditalienischen Region Trentino-Südtirol gefunden. Je näher der Event kam, umso mehr Informationen wurden auf der Website angezeigt.

Leider verhiess der Wetterbericht nicht viel Gutes für diese Tage, so dass wir neben Kühldecken auch die Regenmäntel einpackten.
Das letzte Stück Weg nach Verlassen der Autobahn dauerte immerhin noch ca. eine Stunde und führte über sehr kurvige und teils schmale Strassen bergaufwärts. Ab und zu tauchten aus der puren Natur touristisch anmutende Dörfer mit einladenden Hotels auf, man sah Skilifte und Sesselbahnen. Schliesslich, noch weiter abseits, tauchte in der fast unberührten Natur ein Nordic Zentrum, Malga Millegrobbe auf, der Austragungsort der Coursing-EM. Die Camps für die einzelnen Nationalteams lagen recht weit auseinandergezogen in der Landschaft. Da das Gelände recht uneben war, musste der Standplatz sorgfältig ausgesucht werden. Die beiden Coursingfelder waren gemäht, dazwischen – und auch um die Wohnmobile und Wohnwagen herum - grasten aber tagsüber Rinder und auch einige Pferde.
Die Einlieferung der Hunde erfolgte am Nachmittag vor den Läufen und zwar zeitlich gestaffelt nach Rassen und Geschlecht. Unglaublich, aber wahr: es funktionierte! Eine Helferin las alle Chips ab und bestätigte dies auf dem Blatt, auf welchem jeder Halter vorher mit Unterschrift bestätigt hatte, keine Regressforderungen zu stellen. Während ein Tierarzt die Hunde begutachtete, kontrollierte eine weitere Helferin die Impfpässe, beides wurde wieder auf dem Blatt bestätigt. Fertig.
Am Donnerstag war das Wetter freundlich, es wurde allerdings zunehmend kühler.

Feld 2
Feld 2
Feld 2, von Feld 1 aus gesehen
Feld 2 im Hintergrund, von Feld 1 aus gesehen
Der Freitag begann wettermässig gut mit etwas Sonne und Wind. Der Start war auf 08.00 angesetzt und tatsächlich wurde um diese Zeit auf dem Feld 2 auch der erste Lauf gezogen, auf Feld 1 etwas später. Es gab nur wenige Unterbrüche durch Pannen, v.a. weil die Rollen sich aus dem Boden lösten. Leider verunfallte ein Saluki-Rüde früh und das Gerücht verbreitete sich rasch, es sei eine offene Fraktur. Glücklicherweise war es “nur“ eine Luxation des Vorderfusswurzelgelenkes. Kaum jemand war vorher von Feld 2 begeistert, es handelte sich quasi um einen Rundkurs, allerdings auf unebenem Terrain. Hunde, die nicht spurtreu liefen, gerieten leicht in eine Senke oder stolperten über einen Wall in einem sehr löchrigen Terrain. Entsprechend gab es viele Stürze. Nach diesem Vorfall war den meisten wieder bewusst, dass Coursing doch ein gefährlicher Sport sein kann und wünschten sich nichts anderes, als dass ihre Hunde heil ins Ziel kamen. Auf dem selben Kurs brach sich dann leider auch am Nachmittag ein Afghane eine Zehe.

Feld 1 war deutlich technischer und anspruchsvoller und in Hanglage. Zeitweise regnete es leicht, bei den letzten Salukiläufen gab es dann Gewitterregen. Allerdings mussten auch hier die Hunde spurtreu laufen um auf der richtigen Seite einer Abschrankung durchzukommen und nicht in ungemähtem Gras massiv abgebremst zu werden.

Feld 1
Feld 1
Feld 1
Feld 1
57 Saluki-Rüden und 58 Hündinnen waren gemeldet, am Start schliesslich 55 Rüden und 49 Hündinnen. Es gibt zurzeit sehr viele hervorragende Coursing-Salukis, wir fanden, dass die meisten Läufe auf wirklich hohem Niveau standen. Um vorne mit dabei zu sein genügten “wirklich gute“ Läufe nicht, es brauchte da schon mehr!

Wir waren mit 5 Salukis und 2 Deerhounds angereist. Kurz vorher waren leider 2 unserer grossen Hoffnungen noch läufig geworden: Fariba, unbestritten übers letzte Jahr die beste Courserin in der Schweiz, und Hasna, die ihre erste Saison ganz toll begonnen hat. Jada, Faiza und Humairah kamen nach der Läufigkeit im März rechtzeitig wieder in Form und Zarrin war in Superkondition. Dazu kam Harun, der sich ebenfalls hatte qualifizieren können. Mit den Leistungen unserer Salukis sind wir absolut zufrieden, wenn auch Humairah im 2. Lauf keine Topleistung zeigte. Faiza lief 2 mal wirklich schön und Zarrin hatte 2 tolle Läufe, die sie auf den 9. Rang brachten. Jada stürzte im 2. Lauf, ohne den Hasen aus den Augen zu verlieren und hatte das verlorene Terrain innert kürzester Zeit wieder wettgemacht. Dass sie nur auf dem 31. Schlussrang landete, während ihre Mitläuferin zweite wurde, ist unserer Meinung nach nicht nachvollziehbar. Eine andere Hündin, die wohl an derselben Stelle gestürzt war, kam auch aufs Podest. Positiv überraschte uns Harun, der 2 wirklich tolle Läufe zeigte und hervorragender 12. wurde.
Riesenfreude bereitete uns Fou‘ad von Gerhard Cabel und Karin Mausberg, der nach 2011 zum 2. Mal Coursing-Europameister wurde!

Leider brach sich am Freitagnachmittag ein Afghane eine Zehe, am Samstagmorgen dann ein Galgo ein Vorderbein. Der Tod eines Windspiels am Sonntag überschattete alles.

Einige Sekretariatsfehler sind bereits bekannt und konnten noch korrigiert werden. So erhielten am Samstag 2 Hunde ein “nicht durch“, die beide zwei saubere Läufe absolviert hatten. Bei einem Lauf wurden die Punktzahlen der beiden Hunde vertauscht. Eine Saluki-Besitzerin bemerkte im Hundepass, dass die Punktzahl des ersten Laufes nachträglich nach unten korrigiert worden war. Es ist wohl nicht auszuschliessen, dass noch mehr Fehler unterlaufen sind.

Wie bereits in früheren Jahren gesagt, ist es fast unmöglich, eine so grosse Manifestation ganz perfekt zu organisieren.

Wichtig an einer EM sind interessante, anspruchsvolle Parcours von angemessener Länge, die für die Hunde keine zu grossen Gefahren bergen und die auch von Zuschauern und Besitzern gut überschaut werden können. Schliesslich möchte man die Läufe auch sehen und sich daran erfreuen können! Wichtig ist auch das Camp, das genügend Platz bieten soll, zwar nach Nationen unterteilt, das aber auch den Kontakt zu andern Nationalitäten leicht machen soll. Startzeiten und Abläufe sollten möglichst plangemäss über die Bühne gehen, die Siegerehrung sollte nicht erst abends um 22.00 stattfinden und es sollten nicht zu viele Pannen passieren. Und natürlich sollte man auch den Resultaten vertrauen können.
Erstaunlich, wie viele Leute schon vergessen haben, dass auch vor einem Jahr die EM alles andere als perfekte organisiert war, insbesondere gemessen an den eigenen Vorgaben! Auch das italienische OK hat viele Herausforderungen gut gelöst. Dass man aber so weit in die Abgeschiedenheit fährt, um dann kein entsprechend tolles Gelände vorzufinden, ist wirklich bedauerlich. Dass Offizielle und Polizisten den Teilnehmenden Schimpfwörter an den Kopf warfen in der Annahme, man verstehe sie ja eh nicht, ist auch nicht wirklich ein Zeichen von Wertschätzung.

Recht viele, die noch nie mit eigenen Hunden an einer Coursing-EM teilgenommen haben, fragen – nicht zu unrecht – weshalb denn solche Manifestationen immer noch besucht und damit unterstützt werden. Hunde zu sehen, und mit oder gegen die eigenen Hunde laufen zu sehen, die man sonst nie zu Gesicht bekommt, alte Freunde und Bekannte aus verschiedensten Ländern wieder zu treffen, das ist es, was eine EM trotz allem anziehend macht. Dazu kommt die Hoffnung, die nächste Austragung werde besser.
Obwohl ich mir vorstelle, wie entspannt und anregend ein Coursingtraining mit vielen teilnehmenden Hunde sein würde, habe ich mir trotz Frust über alles, was hätte besser laufen müssen, gleich die Daten der nächsten Coursing-EM in die Agenda eingetragen.

Wir gratulieren allen Schweizer Hunden und ihren Haltern, die sich vorne klassieren konnten. Ganz toll und deshalb speziell erwähnenswert, ist das Abschneiden der Sloughis, wo nicht weniger als 5 Hunde unter die ersten 6 resp. 7 unter die ersten 10 gelaufen sind!

Resultate Salukis

Richter Salukis:
Feld 2: Ainardi (F), Arhima-Oionen(FIN), Noval (SLO), Feld 1: Linari (I), Págány (H), Rahms (D)

Resultate Schweizer Teilnehmer

06.07.2014, 22:12 Uhr,

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