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Coursing-Europameisterschaft in Helsinki (FI), 6./7. Juni 2015

Gut 4‘500 km haben wir in knapp einer Woche mit dem Camper zurückgelegt, dazu noch 480 km von Kapellskär nach Naantali  und zurück auf der Fähre. “Warum tun wir das?“, habe ich mich hauptsächlich dann gefragt, wenn wir auf der deutschen Autobahn in einem der zahlreichen Staus standen.
Der Entschluss, an die Coursing-EM 2015 zu fahren, fiel im Oktober 2014, als CDL-Präsident Hubert Iser uns mitteilte, unsere Jada sei nach Korrektur der falsch eigegebenen Resultate die eigentliche Coursing-Europameisterin 2014 und werde an der nächsten CEM geehrt werden, sofern wir dort seien. Also muss man da hin.
Viele Delegationen waren wegen der Entfernung etwas kleiner als üblich, auch der Titelverteidiger bei den Saluki-Rüden, Fou’ad Sharaf al Bait blieb zuhause. Frankreich nahm aus Protest gegen Entscheide der CDL nicht teil und strafte damit in erster Linie die eigenen Hunde und ihre Halter.
Wegen Verletzungen wurde auch das Schweizer Team noch weiter reduziert. Ferid, Faiza und Humairah Sharaf al Bait konnten nicht teilnehmen und leider fiel auch die in Deutschland als Nummer 1 gesetzte Hijab Sharaf al Bait noch kurzfristig aus.

Nach der nächtlichen  Überfahrt nach Finnland mit der Fähre dauerte die Fahrt nur noch 2 Std bis zum Coursinggelände. Die Windhundrennbahn in Helsinki entpuppte sich als idealer Austragungsort. Eine gute Infrastruktur war bereits vorhanden, zum Parkieren und Campen gab es reichlich Raum um die Rennbahn herum und auf einem angrenzenden Platz, aber so, dass doch alles eine Einheit bildete. Im Innenraum der Bahn befanden sich neben einem Festzelt weitere Zelte für die Info, das Tierarztteam, die Richter- und Teamchef-Sitzungen und für Verkaufsstände. Die beiden grosszügigen Coursinggelände grenzten ebenfalls praktisch an die Rennbahn an.
Während in der Schweiz schon fast hochsommerliche Temperaturen herrschten, war es auf dem Gelände nachts sehr kühl, morgens mit Sonne angenehm und nachmittags mit Wind und Aufzug von Wolken und wenig Regen zunehmend wieder kühl. Für die Hunde also ganz wunderbar.

Dass 5 von 6 Richtern pro Rasse aus Finnland, Schweden oder Norwegen kamen, löste bereits im Vorfeld Stirnrunzeln aus. Dagegen war, wie von früheren Veranstaltungen her erwartet, alles gut organisiert und die vielen Helfer zeigten sich engagiert und sehr freundlich. Manche Teilnehmer fanden gar, es sei überorganisiert gewesen! Die Tierarztkontrolle ging zügig und mit wenig Verzögerung über die Bühne. Die Eröffnungszeremonie wurde mit Vorstellung aller teilnehmenden Windhundrassen, gezeigt in entsprechenden Gewändern, und einem Auftritt von Sankt Nikolaus, der Jahreszeit gemäss in kurzen Hosen,  sehr stimmungsvoll.  Der Start am folgenden Morgen war pünktlich um 08.00, allerdings mussten die Hunde vor dem Start für 3 Läufe unter einem Zelt in 3 Abteilen bereitstehen mit der Konsequenz, dass sie sich mehr als 20 Minuten nicht bewegen konnten bevor es an den Start ging. Dies wurde nach entsprechender Intervention aber anstandslos verbessert. Auf beiden Feldern war ständig ein Tierarzt anwesend. Als Hajar im ersten Lauf mit einer dreifachen Rolle stürzte, informierte der Starter die Tierärztin umgehend und führte mich mit Hajar nach Ende des Laufs unverzüglich zu ihr. Die Zusammenarbeit mit der Uniklinik war auch vorbildlich organisiert. Der Parcours auf Feld 1 war 1000 Meter lang, schnell geführt, aber doch in leichter Hanglage. Parcours 2 war 930 Meter lang, etwas technischer und so gesteckt, dass ein etwas weiter laufender Hund für eine weite Strecke abgehängt blieb. Das Gelände war leicht hügelig und der Parcours gab Anlass zu Kritik: Das Ziel befand sich ziemlich weit vom Start entfernt hügelaufwärts, wegen der Parcoursführung konnte der Halter auch nicht gleich loslaufen. Entsprechend brauchte man einen Starter und einen Fänger, bei 2 Hunden kurz nacheinander bereits 4 Personen und ab 3 Hunden sogar 5 Personen! Dies müsste man zumindest vorher wissen. Damit gleich weiter zum ganz grossen Schwachpunkt resp. nicht nachvollziehbaren Planungsfehler: Auf Parcours 1 dauerte es von Start zu Start gegen 7 Minuten. Die Technik funktionierte tadellos, so dass glücklicherweise kaum noch zusätzliche Verzögerungen dazu kamen. Die Veranstalter hätten dies wissen und ganz einfach rechnen müssen. Statt diese einfache Grundrechenoperation durchzuführen, wurde  ein unmöglich einzuhaltender Zeitplan aufgestellt. Die Siegerehrung war für 19.30 angesetzt, allerdings wurden die zweiten Läufe erst ab 16.30 gezogen! Die Siegerehrung begann dann schliesslich gegen 22.00.

Zurück zu den ganz positiven Aspekten: Die Datenübermittlung klappte ganz ausgezeichnet. Bereits bevor der Teamchef mit einer grösseren Anzahl Ausdrucke mit den Resultaten des ersten Laufs beim Camp eintraf, waren diese bereits online, einmal nach Läufen geordnet, und zwar sämtliche Bewertungen, und dann auch noch als Rangliste. Den Hundepässen lagen Durchschläge sämtlicher 6 Laufbewertungen bei, so dass eine sofortige Überprüfung der Punktvergaben möglich war. Damit können Fehler, wie sie letztes Jahr aufgetreten sind, wirksam verhindert werden.

Nun aber zu unseren Läufen! Wenn man mehrere Hunde am Start hat, sieht man leider nicht viel von den andern Läufen resp. sieht – wie  hier auf Parcours 2  - sogar nur einen Teil des Laufs. Trotzdem wurde schnell klar, dass hier viele Top-Salukis liefen, obwohl die Meldezahl ja geringer war als in anderen Jahren. Schnell, wendig, clever waren viele. Im Lauf 1 liefen Nour und Zarrin sehr schön, Hajar verlor nach einer 3-fach Rolle kurz die Orientierung, zeigte danach aber nochmals vollen Einsatz. Der Lauf von Jada überzeugte uns absolut, während Hasna nicht alle Wechsel ganz optimal erwischte. Harun lief einen guten Lauf mit einem ebenbürtigen Partner, alles sehr harmonisch und deshalb vielleicht zu wenig spektakulär und für die Richter zu wenig attraktiv.
Dann folgte gespanntes Warten auf die Beurteilungen durch die 3 Richter. Tatsächlich führte Jada nach dem 1. Lauf, und zwar mit einem Vorsprung von 14 Punkten, Zarrin war vierte, Nour und Hajar sechste, Hasna 14.und Harun bei den Rüden wie befürchtet zwanzigster. Die Deerhounds, bei welchen wir mithalfen, kamen erst nach 14.00 dran und danach ging das Warten weiter. Man hörte, es käme wegen einer Intervention eines Teamchefs zu einer Verzögerung. Erst 15.45 kam unser Teamchef, Rolf Bosch, mit den Laufeinteilungen des 2. Laufes, um 16.00 sollte es weitergehen und Nour startete gerade im 1. Lauf. Also war nun Eile geboten – ausser uns war dann aber niemand um 16.00 auf dem Sattelplatz! Schliesslich ging es um 16.30 weiter, wie bereits gesagt mussten wir die Hilfe etlicher Helfer in Anspruch nehmen. Neben dem gut bewährten Stefan Krieg half auch Heidi Lappalainen, eine finnische Züchterin, die den Grossvater von Nour und Zarrin gezüchtet hatte. Die Läufe waren nicht nach Punktzahlen sondern gemischt geordnet. Zarrin verschlief ihren Lauf und wartete danach ungeduldig darauf, endlich laufen zu dürfen. Aber auch Nour und Jada meisterten den 2. Parcours nicht so richtig nach Wunsch. Hasna, Hajar und Harun liefen ganz ansprechend. Danach wieder langes Warten bis zu den Deerhounds und dann bis zum Dinner, das ursprünglich erst nach der Siegerehrung geplant gewesen wäre, schliesslich aber doch vorverschoben wurde.

Und dann ganz plötzlich, als wir noch beim Essen waren, wurde zur Siegerehrung aufgerufen! Rasch holten wir die vier aussichtsreichsten Hunde und liessen Hasna und Harun im Wohnmobil. Tatsächlich wurde als erstes Jada nachträglich durch den CDL-Präsidenten Hubert Iser zur Coursing-Europameisterin 2014 gekrönt. Als ich wegen der grossen Menge Hunde und Menschen und den entsprechenden Lärm ums Festzelt herumgegangen war und wieder beim Schweizer Team eintraf, hörte ich gerade noch, dass Hajar als sechste aufgerufen wurde. Kurt musste sich beeilen. Die Ehrungen erfolgten nicht wie üblich nach Alphabet sondern in der Reihenfolge der Läufe und damit waren die Saluki-Hündinnen als erste dran! Plötzlich stand Kurt mit Hajar auf Rang 5 während Rang 6 frei blieb, was ich überhaupt nicht verstand.  Es blieb aber auch nicht Zeit zum Ueberlegen, denn Jada schaffte es zum zweiten Mal in Folge ganz oben aufs Treppchen, was für ein überwältigender Moment! Und nach diversen Glückwünschen, Anziehen der Siegerdecke und der Nationalhymne die Auflösung des Rätsels: 6. Rang Hajar, 5. Rang Hasna, die im 2. Lauf die höchste Punktzahl der Saluki-Hündinnen erzielt und sich  entsprechend vorgearbeitet hatte. Einfach nur wunderbar! So hatte sich die lange Reise gelohnt.
Zarrin kam immerhin auf den 9. Rang, Nour auf den 13., also alle 5 Hündinnen unter den ersten 13 von 32. Harun verbesserte sich auf den 16. Rang. Tizpa Porgouhar Isfandiyar von Henriette van Bodengraven und Chris Bekker, Bruder von Nour und Zarrin und Vater unseres I-Wurfs, wurde Coursing-Europameister bei den Saluki-Rüden, super gemacht!

 

Jada Coursing-Eeuropameisterin 2014
Tâdj Mahâl Jada Karida Coursing-Europameisterin 2014
Jada Coursing-Eeuropameisterin 2015
Tâdj Mahâl Jada Karida Coursing-Europameisterin 2015
Jada Coursing-Europameisterin 2015
Siegerehrung Hündinnen, Foto Hansen
Tizpa Porgouhar Isfandiyar 2015
Siegerehrung Rüden Foto Hansen
Leider konnten die andern anwesenden Schweizer Titelverteidiger nicht ganz an den Erfolg des Vorjahrs anknüpfen und Jada ist die einzige Europameisterin 2015 aus der Schweiz. Einige Schweizer Hunde kamen aber doch ganz weit nach vorn, so beide Sloughi-Hündinnen von Bächtigers, der Magyar Agar Magyar Alom Avalon vonDiane Kiesewetter, die 3 Deerhound-Rüden von Esther Bühler und Familie Krieg(der 6. Rang von Gilroy the Deerhunter freut uns sehr) und besonders auch die Whippet-Hündin Xanelle of Golenblue der Newcomerin Beatrice Meyer. Euch allen herzliche Gratulation!

Resultate Salukis
Fotos

 

28.06.2015, 13:03 Uhr,

Sharaf al Bait - Im Hägni 50 - CH-3294 Büren an der Aare - Telefon +41 (0)32 351 36 83